Psychoonkologie
Der Begriff Onkologie umfasst alle wissenschaftlichen
Disziplinen, die sich mit Krebs befassen. Der Begriff Psychoonkologie
bezieht sich daher auf alle seelischen Faktoren, die mit einer
Krebserkrankung zusammenhängen können.
Die Diagnose Krebs bedeutet zunächst
eine grundsätzliche Bedrohung: Das eigene Leben und alles,
was bisher selbstverständlich zum Leben dazugehörte,
ist plötzlich in Frage gestellt. Der Betroffene muss sich
mit dieser Bedrohung auseinandersetzen, Möglichkeiten des
Umgangs mit den veränderten Bedingungen finden, sich neu
orientieren. Mit jeder Etappe der medizinischen Behandlung und
jeder Veränderung des Gesundheitszustandes stellen sich neue
Anpassungsaufgaben. Dieser Prozess wird unter dem Begriff Krankheitsbewältigung
zusammengefasst.
Gibt es günstige Formen der Krankheitsbewältigung?
Die Auseinandersetzung mit einer Lebenskrise,
wie eine Krebserkrankung sie darstellt, ist für jeden Menschen
etwas Einzigartiges. So wie die individuelle Situation (Lebensalter,
Lebensumstände, bisherige Erfahrungen mit Lebenskrisen),
in der jemand erkrankt, jeweils unterschiedlich ist, so sind es
auch die Möglichkeiten, die dem Betroffenen zugänglich
sind. Schon aus diesem Grund kann eine allgemeingültige Empfehlung
dem Einzelnen nicht gerecht werden.
Es gibt aber auch aufgrund von wissenschaftlichen
Untersuchungen keine Anhaltspunkte dafür, dass eine ganz
bestimmte Art des Umgangs mit der Krankheit besonders günstig
sei oder womöglich das Leben verlängern könne.
Untersuchungen aus früheren Jahren schienen zu belegen, dass
eine aktive und kämpferische Haltung den Krankheitsverlauf
positiv beeinflusst. Dies passt zur gängigen Vorstellung,
man müsse den Krebs bekämpfen, um ihn schließlich
besiegen zu können. In vielen Schriften, die sich an Krebspatienten
richten, wird eine solche Haltung immer wieder empfohlen. Das
führt nicht selten dazu, dass Patienten negative Folgen befürchten,
wenn sie zu einem bestimmten Zeitpunkt keine kämpferische
Haltung einnehmen können, ja sich dann sogar schuldig fühlen,
wenn die Erkrankung fortschreitet.
Wenn man Krankheitsbewältigung
als Prozess mit immer wieder neuen Anforderungen
versteht, dann ist es eher wahrscheinlich, dass im Verlauf durchaus
unterschiedliche Bewältigungsanstrengungen angemessen sind.
Tatsächlich erleben fast alle Patienten Zeiten intensiver
Angst, Wut, Gereiztheit, Niedergeschlagenheit und Mutlosigkeit.
Im Verlauf der Diagnose und Behandlung einer Krebserkrankung kann
der Betroffene (und Angehörige) in seelische Krisen geraten.
30-50% aller an Krebs erkrankten Menschen entwickeln im Laufe
der Erkrankung behandlungsbedürftige seelische Symptome wie
z.Bsp. Depressionen mit körperlichen Begleitsymptomen
( Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Schmerzen) bzw. die
psychischen Probleme verstärken die erkrankungs- oder behandlungsbedingten
körperlichen Beschwerden.. Die Diagnostik und Behandlung
psychosomatischer Folge- erkrankungen bei Krebs bei Patienten
und Angehörigen durch ärztliche oder Psychotherapeuten
(Psychoonkologie) sollte daher Bestandteil jeder ganzheitlichen
Krebstherapie sein.
Die Ergebnisse neuerer Untersuchungen lassen
die Schlussfolgerung zu, dass denjenigen Patienten die Auseinandersetzung
mit der Krankheit besser gelingt, die je nach den Erfordernissen
der Situation flexibel reagieren können. Dies kann
so Unterschiedliches sein wie, sich über Behandlungsmöglichkeiten
zu informieren, eigene Interessen gegenüber Arzt, Arbeitgeber
oder anderen zu vertreten, sich mit den eigenen Ängsten auseinander
zusetzen, Ablenkung zu suchen, sich im Gespräch anzuvertrauen,
Hilfsangebote von Angehörigen anzunehmen, die Hoffnung auf
realistische Ziele zu richten, Wesentliches von Unwesentlichem
zu unterscheiden und sich zu beschränken. Auch Verleugnung,
also das Nicht Wahrhaben -Wollen der Realität, kann
in bestimmten Phasen, wenn die Angst sonst unerträglich wäre,
eine sinnvolle Reaktion darstellen. Eine aktive Haltung erzeugt
aber, unabhängig von möglichen Einflüssen auf die
Krebserkrankung, zumindest das Gefühl, selbst etwas zum eigenen
Befinden beizutragen und nicht völlig ausgeliefert zu sein.
Welchen Einfluss haben seelische Faktoren
auf den Krankheitsverlauf?
Wissenschaftliche Untersuchungen können
bisher dazu keine einheitliche Antwort geben, d.h. es muss nach
wie vor als ungeklärt gelten, ob und vor allem wie seelische
Faktoren den Krankheitsverlauf und die Überlebenszeit beeinflussen.
Unbestritten ist dagegen, dass eine positive Krankheitsbewältigung
im Sinne einer gelungenen Neuorientierung mit einer besseren
Lebensqualität einhergeht. Psychotherapeutische Familiengespräche
können gleichfalls dabei hilfreich sein, wenn durch die Krebserkrankung
eines Familienmitglieds das Zusammenleben in eine Krise geraten
ist. Oft verhindern Ängste ein offenes Gespräch im Familienkreis.
In der Gegenwart und durch Unterstützung eines Therapeuten
ist es dann oft eher möglich, anstehende Konflikte anzusprechen
und gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten.
Wie und wo kann ein Psychotherapeut helfen
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Psychotherapeutische Unterstützung
bei seelischen Krisen und psychischen Erkrankungen wie zum Beispiel: |
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1. Angst |
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2. Antriebslosigkeit |
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3. Anpassungsstörungen |
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4. Depressionen |
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5. Sexualstörung |
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6. Traumatisierungen |
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7. Schlafstörungen |
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Erarbeiten von neuen Bewältigungsstrategien
(Krankheitsbewältigung) |
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Erarbeitung eines neuen Lebenssinnes und Lebenszieles |
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Erarbeiten eines neuen Selbstbildes |
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Verbesserung der Akzeptanz gegenüber der
Erkrankung und der Therapie |
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Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung
von Patient und Angehörigen |
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Reduktion der krankheits- und therapiebedingten
körperlichen Beschwerden durch Entspannungstechniken |
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Visualisierungsübungen nach C. Simonten |
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Unterstützung bei der Verarbeitung von Trauer
und Verlust |
Erlauben Sie mir abschließend zu diesem
Thema ein Zitat, von Prof. Dr. Fritz Zorn (1977):
Obwohl ich noch nicht wusste, dass ich Krebs
hatte, stellte ich intuitiv bereits die richtige Diagnose, denn
ich betrachtete den Tumor als verschluckte Tränen.
Das bedeutete etwa soviel, wie wenn alle Tränen, die ich
in meinem Leben nicht geweint hatte und nicht hatte weinen wollen,
sich in meinem Hals angesammelt und diesen Tumor gebildet hätten,
weil ihre wahre Bestimmung, nämlich geweint zu werden,. Sich
nicht hatte erfüllen können. Rein medizinisch gesehen,
trifft diese poetisch klingende Diagnose natürlich nicht
zu; aber auf den ganzen Menschen bezogen, sagt sei die Wahrheit
aus: das ganze angestaute Leid, das ich jahrelang in mich hineingefressen
hatte, ließ sich auf einmal nicht mehr in meinem Inneren
komprimieren; es explodierte aufgrund seines Überdruckes
und zerstörte bei dieser Explosion den Körper.
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